Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Der vorliegende Antrag greift eine Diskussion auf, die wir während dieser Legislaturperiode schon häufiger geführt haben. Viele in diesem Hause - allerdings vorzugsweise auf der linken Seite - sind der Meinung, dass das Beratungs- und Unterstützungssystem an unseren Schulen seinen Namen nicht verdient. Das hat nichts mit den Beschäftigten, sondern mit der Ausstattung durch das Land zu tun. Bei den Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen besteht ein erheblicher Personalmangel. Die Beratungslehrer geraten immer mehr unter Druck und werden bei Kürzungen meist als Erste genannt - ganz zu schweigen von dem Mangel an Fortbildungsplätzen. Unter guten Arbeitsbedingungen verstehen wir etwas anderes.
Schauen wir nach Finnland! Die Hauptstadt Helsinki hat in etwa so viele Einwohner wie Hannover und ist auch gemessen an der Landfläche etwa gleich groß. Helsinki verfügt aber über so viele Schulpsychologen wie ganz Niedersachsen. Daran sieht man, dass andere Länder andere Prioritäten setzen. Niedersachsen ist mit einem Psychologen oder einer Psychologin für etwa 26 000 Schüler deutschlandweit Schlusslicht.
Wie können funktionsfähige Beratungsteams für unsere Schulen aussehen? - In dem Gutachten zur Schulpsychologie, das Professor Dollase für die GEW erstellt hat, wird ein Beispiel aus Finnland zu Beratungsteams beschrieben: „Diese Gruppe, die sich mindestens einmal in der Woche trifft, besteht aus folgenden Personen: dem Schulleiter, dem Klassenlehrer, dem Fachlehrer, dem Schulpsychologen, dem Gesundheitsfürsorger, dem Sonderpädagogenkurator, dem Schullaufbahnberater, Eltern und, falls notwendig, einem Arzt und Neurologen.“ Diese in der Presse als multiprofessionelle Teams apostrophierte Personengruppen bestehen - das ist für die deutsche Adaption wichtig - zusätzlich zu Beratungslehrern auch aus Schulpsychologen. Ein solches Team übernimmt Unterstützungsaufgaben nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte oder die Eltern. Krisensituationen können so rechtzeitig erkannt und richtig bearbeitet werden. Wir brauchen in Niedersachsen qualifiziertes und zuverlässiges Unterstützungspersonal an den Schulen, und das flächendeckend und in großer Zahl.
(Beifall bei der LINKEN und Zustimmung bei den GRÜNEN)
In dem Antrag irritiert hat mich allerdings die in der Begründung vorgeschlagene Finanzierung: Finanziert werden sollen die Stellen für die Unterstützungsteams nämlich durch die Umwidmung von Lehrerstellen, die aufgrund des starken Rückgangs der Schülerzahlen entbehrlich werden. Die Zahlen sind schon genannt worden, z. B. die klare Vorgabe von bis zu zwei Stellen für 500 Schüler. Rechnet man das auf der Grundlage der uns vorliegenden Schülerzahlen durch, ergibt sich folgendes Bild: Es gibt 950 000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen und 260 000 Schüler an den Berufsbildenden Schulen, also insgesamt 1,2 Millionen Schüler. Man kommt zu dem Schluss, dass für Berater in den Unterstützungsteams 2 000 bis 4 000 Stellen geschaffen werden müssten. Aber wie viele Lehrerstellen sollen dann abgebaut werden? Wie sollen sich Klassenfrequenzen entwickeln? Wie sollen die neuen Beschäftigten bezahlt werden? - Da sehen wir noch einigen Klärungsbedarf. Ich freue mich auf die Ausschussberatung, kann aber schon jetzt eine grundsätzlich positive Bewertung dieses Antrags in Aussicht stellen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der LINKEN und Zustimmung bei den GRÜNEN)