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Landtagsrede von Christa Reichwaldt

14. September 2011

Rede zum Thema:"Das größte Klassenzimmer der Welt - IdeenExpo Erfolg für Niedersachsen!"

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich lobe, wie gerade gewünscht, die Ideen-Expo 2011 vom 27. August bis 4. September dieses Jahres. Ziel war es wieder, Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen und angrenzenden Ländern für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Das Interesse an Technik sollte wachsen, damit sich mehr junge Menschen für solche Berufe entscheiden. Die Veranstalter hatten“ mindestens so viele Besucherinnen und Besucher wie 2009 erwartet. Die diesjährige IdeenExpo in Hannover endete am 4. September, wieder mit einem Rekord. 310 000 Gäste besuchten Deutschlands größtes Mitmachevent für Naturwissenschaften und Technik. Rund 500 Mitmachexponate, 600 Workshops, Wissens-shows, Liveexperimente und Open-Air-Konzerte - das alles bot die IdeenExpo 2011. Rekorde ohne Ende in der noch jungen Geschichte dieser Aus-stellung. „Es hat hinterher schöne Zeitungsartikel gegeben. Alle Erwartungen sind übertroffen worden.“
(Zustimmung bei der CDU)
Meine Damen und Herren, das, was meine Kollegin Kreszentia Flauger schon über die IdeenExpo 2009 hier vor zwei Jahren gesagt hat - haben Sie die Wiederholungen bemerkt? -, kann ohne Einschränkungen und mit Recht auch über die IdeenExpo 2011, diesem - wie es so schön im Titel zu dieser Aktuellen Stunde heißt - „größten Klassenzimmer der Welt“, gesagt werden - eine tolle Veranstaltung und ein Klassenzimmer, in dem auch tatsächlich Platz für Experimente ist. Aber mit genauso viel Recht ist es auch zwei Jahre später wieder notwendig, ein Blick hinter diese glitzernde Showkulisse auf die niedersächsische Bildungswirklichkeit zu werfen.
(Beifall bei der LINKEN)
Verstehen Sie mich nicht falsch. Die IdeenExpo ist eine tolle Möglichkeit, junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und zu motivieren. Aber dieses große Klassenzimmer allein wird nicht mehr Chemikerinnen und Chemi-ker in einem auch in Niedersachsen völlig unterfinanzierten Bildungssystem herbeizaubern. Da können Sie uns die Steigerung der Bildungsausgaben im Laufe Ihrer Regierungsjahre noch so oft präsentieren! Es muss gelingen, das Interesse, das auf der IdeenExpo geweckt wird, an den Schulen am Leben zu erhalten und in die Hochschulen zu über-tragen. Aber an beiden Dingen scheitert diese Landesregierung.(Beifall bei der LINKEN)Weiterhin ist die Anzahl der Labor- und Versuchsplätze in den Schulen oft deutlich kleiner als die der Schülerinnen und Schüler. Unmöglich kann eine Lehrkraft 25 bis 30 parallel stattfindende Versuche in der Sekundarstufe I begleiten. Die Klassen sind eben weiterhin zu groß. Für die Ausstattung der Schulen sind die Kommunen zuständig. Finanziell klamme Kommunen bedeuten zu alte Labore und zu alte Ausstattungen.(Unruhe - Glocke des Präsidenten)Mit einem gebundenen Ganztagsangebot könnten die Angebote für das Experimentieren ausgebaut werden. Durch kleinere Lerngruppen könnten Experimente vertieft werden. Stattdessen gibt es weiterhin große Klassen und Frontalunterricht. Die Schule, die auf kleine Lerneinheiten, Tischgruppen und mehr Zeit zum Lernen setzt, die IGS Göttingen-Geismar, wird von der Landesregierung um ihr Konzept gebracht.(Beifall bei der LINKEN)Solange die Verhältnisse an den Schulen so mangelhaft bleiben, wird es kaum gelingen, das Interesse an den sogenannten MINT-Fächern bis zum Ende der Schulzeit wach zu halten. Und dann ist da auch noch der Lehrermangel gerade in diesen Fächern. Auch das ist kein Zufall, sondern Ergebnis der verfehlten Bildungsplanung dieser Landes-regierung, beginnend mit der Lehrerausbildung an der Hochschule und fortgesetzt im zu schlecht bezahlten Vorbereitungsdienst.(Zustimmung bei der LINKEN)An den Hochschulen gibt es die altbekannten Probleme.(Unruhe)Vizepräsident Dieter Möhrmann: Frau Kollegin, bitte warten Sie einen Augenblick! - Es finden gerade sehr viele angeregte Gespräche statt, die dazu führen, dass unsere Besucher wahrscheinlich nicht einmal mehr Frau Reichwaldt verstehen können, sondern das, was dort an den Tischen gesprochen wird.(Jens Nacke [CDU]: Auch ich habe meine Schwierigkeiten, Frau Reichwaldt zu verstehen!)- Herr Kollege, diese Antwort gegenüber einem Präsidenten war jetzt nicht nötig. - Frau Reichwaldt, bitte!Christa Reichwaldt (LINKE): An den Hochschulen gibt es die altbekannten Probleme: Abschreckende Studiengebühren, die es bald nur noch in Niedersachsen und Bayern ab dem ersten Semester gibt, übervolle Stundenpläne, die zum Bulimielernen und gerade in den Ingenieurwissenschaften zum Studienabbruch führen.Meine Damen und Herren, nur wenn wir die soziale Selektion an den Schulen und Hochschulen durchbrechen, können wir das Interesse an der IdeenExpo konservieren. Denn derzeit erfahren zu viele Schülerinnen und Schüler immer noch, dass der Weg an die Hochschule durch ein ausgrenzendes Schulsystem, eine permanente Unterfinanzierung der Hochschulen und hohe private Kosten mit der Konsequenz eines drohenden Schulden-bergs für die Studentinnen und Studenten verbaut ist. Das muss sich ändern, damit die IdeenExpo tatsächlich ein Erfolg für Niedersachsen wird.Gut, dass diese Landesregierung bis dahin abgewirtschaftet hat. Sonst können wir uns nur auf die nächste IdeenExpo freuen und sie hinterher wieder mit fast den gleichen Reden feiern.Vielen Dank.(Beifall bei der LINKEN)